Donnerstag, 10. Oktober 2013

... Nachdenken

Gestern bin ich mit dem üblichen Grüppchen in die benachbarte Stadt Salt gefahren. Salt ist ein kleines nettes Städtchen, aber davon haben wir gar nichts gesehen, da wir in etwas Unerwartetem gelandet sind.

Meine Mitschülerin hat Kleidung und Schoggi in einer besonderen Schule abgeben wollen. Also sind wir erstmal dorthin gefahren. Ich hatte das gar nicht so mitgekriegt, aber es handelte sich um eine Schule für gehörlose und taubblinde Kinder, das Holy Land Institute für Gehörlose. Der Sohn eines ihrer Arbeitskollegen arbeitet dort als Volontär.

Ich war zutiefst beeindruckt, zum einen von der Schule, die sehr modern und sauber ist, zum anderen von diesem jungen Mann, der, obwohl erst 23, sein Leben in den Dienst dieser Kinder gestellt hat. So ein bescheidener, herzlicher und lieber Kerl. Und die Kinder danken es ihm, ständig kam eines an und hat ihn umarmt, ihm auf die Schulter geklopft oder sich an ihn geschmiegt. Er arbeitet nun schon seit drei Jahren unentgeltlich für die Schule und meinte, mehr brauche er nicht im Leben.

Er hat sich zwei Stunden Zeit genommen und uns die ganze Anlage gezeigt. Dabei hat er uns vieles erklärt, über den Hintergrund der Schüler, über die Gebärdensprache und die Organisation der Schule. Die Grossen kümmern sich um die Kleinen, sonst wäre das alles nicht zu bewerkstelligen. Es gibt eine Autowerkstatt, eine Schreinerei und ein Handwerksatelier, wo die Kinder nach dem Schulabschluss eine Berufsausbildung absolvieren können. Viele gehen aber auch an die Universität studieren. Finanziert wird die Schule vor allem über Spenden. Es gibt auch einen kleinen Shop, in dem man die hergestellten Dinge der Kinder kaufen kann.

Sehr berührt hat mich der Anblick der taubblinden Kinder. Diese armen Geschöpfe haben nichts ausser ihrem Tastsinn. Sie können sich nicht verständigen, oft lassen die Eltern diese Kinder vor sich dahin vegetieren. Raphael erzählte uns von einem Bub, der fünf Jahre lang nur in einer Ecke lag und mit nichts anderem als Milch ernährt wurde, bevor er an die Schule kam. Das tut weh zu hören. Aber dann gingen wir in die Turnhalle, wo ältere Kinder mit den Taubblinden zugange waren, und da konnte man sehen, dass auch diese Kinder Freude am Leben haben, obwohl sie so eine schwere Behinderung haben. Das Bild, wie ein kleiner taubblinder Bub in einer Schaukel sass und vor lauter Lachen gar nicht mehr runterwollte, bleibt mir wahrscheinlich ewig im Gedächtnis.

Sowas macht mich sehr nachdenklich. Ich frage mich, was ich eigentlich Sinnvolles in meinem Leben anstelle, und ob ich nicht anstatt in den 50. Lippenstift das Geld nicht lieber in so ein Projekt investieren sollte. Oder sogar noch weitergehen und mich auch beruflich in eine soziale Richtung orientieren sollte. Wir sollten alle sehr dankbar sein dafür, dass wir gesund sind und nicht eine solche Behinderung haben wie diese Kinder. Ich für meinen Teil bin es sehr, vor allem auch, dass die zwei Zwerge meiner Schwester so unglaublich tolle, süsse und vor allem gesunde Knirpse sind. Das sollten wir uns ab und zu wirklich vor Augen halten. Und dankbar sein, dass wir das Glück hatten, im Paradies geboren zu sein.

Im Übrigen hat mir ein kleiner Bub einen Namen in Gebärdensprache verpasst. Da ich den logischerweise nicht aufschreiben kann, zeige ich ihn dann mal bei Gelegenheit. Jedenfalls darf ich mir ab jetzt nie mehr die Haare kurz schneiden, sonst kapiert niemand meinen Namen. :-)

Wer spenden möchte, hier die IBAN Nummer:
CH10 0900 0000 6013 1790 4
Freunde des Holy Land Institute für Gehörlose, Jordanien
3123 Belp

Eine Website ist zurzeit im Aufbau: www.freundedeshlifg.ch bzw. ein Teil der holländischen Seite. Gegründet wurde die Schule von einem Holländer. Sie ist übrigens christlich geführt, die Kinder sind aber ausnahmslos Muslime (glaube ich). Es wird keinerlei Unterschied zwischen den Religionen gemacht. Jeder ist willkommen.

Und zur Veranschaulichung noch ein paar Fotos:









Kommentare:

  1. Lisa Darling, danke für diesen berührenden Bericht. Ich habe mir angewöhnt 2 mal im Jahr hinzusitzen, und einige Hilfeswerke/gemeinnützige Institutionen auszusuchen, an die ich dann etwas spende. Ich nehme diese Schule bestimmt auf meine Liste.

    AntwortenLöschen
  2. Das würde mich wirklich sehr freuen! Da weiss man auch, dass das Geld gut angelegt ist.

    AntwortenLöschen