Samstag, 24. Mai 2014

... Lesen: "Das Gleichgewicht der Welt" von Rohinton Mistry

 
Das letzte Buch, das ich gelesen habe, möchte ich gerne kurz vorstellen, da es mir wirklich sehr gut gefallen und mich auch sehr berührt hat:

"Das Gleichgewicht der Welt"
Autor: Rohinton Mistry

Das sagt der Klappentext:
"Bombay 1975. Vier Menschen treffen aufeinander. Ihre Schicksale verknüpft Rohinton Mistry meisterlich zu einem großen Roman. Wir begegnen Dina Dalal, einer Frau Anfang Vierzig und Maneck Kohlah, einem Studenten aus dem Gebiet des Himalaja; dem unglaublich optimistischen Ishvar Darji und seinem widerspenstigen Neffen, zwei Schneidern, die vom Land in die Stadt geflohen sind.
Seine großen erzählerischen Bögen spannt Mistry von den grünen Tälern des Himalaja bis in die Straßen von Bombay. Er erzählt von Rajaram, dem Haarsammler; dem geschäftstüchtigen Bettlermeister, Herr über eine Bettlerarmee; oder Mr. Valmik, einem Korrekturleser, der eine Allergie gegen Druckerschwärze entwickelt.
›Das Gleichgewicht der Welt‹ läßt den indischen Subkontinent vor den Augen der Leser entstehen - ein Kosmos, der nur auf den ersten Blick fremd erscheint."

Meine Meinung:
Der Roman ist unheimlich reich - reich an Beschreibungen, an interessanten Figuren, Geschichten und Schicksalen.
Gleich zu Anfang treffen die Hauptpersonen - Dina Dalal, eine unabhängige Frau Anfang Vierzig, Maneck Kohlah, ein unglücklicher Student, sowie Ishvar und sein Neffe Omprakash, genannt Om, zwei Schneider aus einem Dorf, aufeinander. Dina nimmt die drei Männer bei sich auf - die Schneider, um sie in ihrem kleinen (illegalen) Betrieb anzustellen, und Maneck als zahlenden Mieter.
Nach und nach werden die Geschichten der Personen erzählt: wie Dina jung Witwe wurde und sich allein durchs Leben schlagen musste, wie Maneck von seinen Eltern aufs College geschickt wurde, damit er später ein besseres Leben führen kann als sie, der aber im Wohnheim misshandelt wird, und schliesslich, wie Ishvar zum Schneider wurde, wie sein Bruder umkam und er seinen Neffen bei sich aufnahm.
Was am Anfang eine Zweckgemeinschaft ist, entwickelt sich nach und nach zu einer Freundschaft zwischen diesen unterschiedlichen Menschen. Der Leser verfolgt ihre weitere Entwicklung und erlebt dabei die Geschichte Indiens unter Indira Ghandi mit - die Zeit des Ausnahmezustands, der "Verschönerungsprogramme der Städte", der Zwangssterilisationen. Dazu lernen wir noch weitere Personen kennen, die das Leben der Vier streifen und mitgestalten, alles wirklich interessante und gut durchdachte Figuren.

Ich muss sagen, ich war ziemlich schockiert darüber, was in den 70-Jahren für Zustände herrschten. Was den Protagonisten alles zustösst, die ich liebgewonnen habe, ging mir ziemlich an die Nieren. Auf jeden Fall hat mich der Roman dazu inspiriert, mich mit der neueren Geschichte Indiens etwas mehr auseinander zu setzen.

Diesen Roman kann ich wirklich empfehlen. Es ist ein schönes Buch, auch wenn es teilweise sehr traurig ist, aber dennoch steht die Freundschaft im Vordergrund. Auch das Ende, was ich nicht verraten will, lässt einen zwiegespalten zurück: einerseits sehr traurig, andererseits doch auch optimistisch. Kein Buch zum Entspannen, aber eins zum Nachdenken.


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