Donnerstag, 18. Dezember 2014

... Lesen: Die Victoria-Bergmann-Trilogie "Krähenmädchen", "Narbenkind" und "Schattenschrei" von Erik Axl Sund


Zum Geburtstag schenkte mir meine Freundin C. ein Buch, das schon länger auf meiner Wunschliste stand:

"Krähenmädchen"
Erik Axl Sund

"Krähenmädchen" ist der erste Teil der sogenannten "Vicoria-Bergmann-Trilogie" des Autorenduos Erik Axl Sund (Jerker Eriksson und Håkan Axlander Sundquist). Nachdem ich den ersten Teil gelesen habe, habe ich mir die beiden nächsten Teile "Narbenkind" und "Schattenschrei" auf meinen Kindle runtergeladen. In meiner persönlichen Review gehe ich auf alle drei Teile ein, den Klappentext gebe ich aber nur von "Krähenmädchen" an, damit nicht zuviel verraten wird.

Das sagt der Klappentext zu "Krähenmädchen":
Wie viel Schreckliches kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird?
Stockholm. Ein Junge wird tot in einem Park gefunden. Sein Körper zeigt Zeichen schwersten Missbrauchs. Und es bleibt nicht bei der einen Leiche ... Auf der Suche nach dem Täter bittet Kommissarin Jeanette Kihlberg die Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe, bei der eines der Opfer in Therapie war. Ihr Spezialgebiet sind Menschen mit multiplen Persönlichkeiten. Eine andere Patientin Sofias ist Victoria Bergman, die unter einem schweren Trauma leidet. Sofia lässt der Gedanke nicht los, bei ihr irgendetwas übersehen zu haben. Schließlich müssen sich Jeanette und Sofia fragen: Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird?

Meine Meinung zu den drei Büchern:
Es geht ja hier um Kindesmissbrauch. Das ist ein sehr schwieriges Thema, und auch nur schwer zu verkraften. Soviel schonmal vorweg.

"Krähenmädchen" habe ich wie in einem Rausch gelesen. Die Kapitel sind sehr kurz, so dass man immer weiter lesen will ("eins geht noch"). Spannend fand ich den Wechsel zwischen Präsens- und Präteritumpassagen, das hat viel Dynamik ins Buch gebracht. Eigentlich hasse ich ja Bücher, die im Präsens geschrieben sind, aber hier hat es sich die Waage gehalten und hat auch irgendwie zur Stimmung gepasst. Die Passagen aus der Sicht von Victoria Bergmann haben mich anfangs irgendwie irritiert, weil ich den Zusammenhang nicht verstanden habe. Das hat sich dann aber im Laufe des Buches aufgelöst. Das Buch hört mit einem Cliffhanger auf. Die Figuren waren und blieben mir allerdings allesamt unsympathisch (ausser vielleicht der Assistent der Kommissarin). Ich kann nicht sagen, wieso, aber ich wurde einfach nicht warm mit ihnen. Das hat der Spannung aber keinen Abtrieb gegeben. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen, so spannend war es.

Mit "Narbenkind" gingen dann bei mir die Probleme los. Zum einen ist das Buch komplett im Präsens geschrieben, was ich wie erwähnt nicht leiden kann. Es macht mich nervös, ich habe beim Lesen die ganze Zeit meine Finger bewegt oder mit dem Bein gewippt oder an meiner Lippe gekaut. Und das lag nicht an der noch immer vorhandenen Spannung, denn sonst hätte ich das im ersten Teil auch schon gemacht. Dafür gab es von mir also schonmal Punkteabzug. Was mir als nächstes negativ aufgestossen ist, sind die wiederholten detaillierten Beschreibungen, wie Victoria Bergmanns Vater sie missbraucht hat. Ja, das ist schlimm, und dass man davon ein Trauma bekommt ist klar, aber ich als Leser muss nicht auch noch ein Trauma davontragen. Irgendwann war es einfach zuviel, zumal sich die Beschreibungen ständig wiederholt haben. Ich dachte nur: Ok, es reicht, ich hab's jetzt kapiert, sie wurde missbraucht. Ansonsten ging die Erzählung spannend weiter, wieder konnte ich trotz den geschilderten Problemen nicht aufhören zu lesen. Wobei ich sagen muss, dass ich mich inhaltlich nur wenig an das Buch erinnern kann. Unbedingt gebraucht hätte es diesen Teil nicht.

"Schattenschrei" ist der Abschluss der Trilogie, hat aber meines Erachtens die Geschichte nicht befriedigend abgeschlossen. Man checkt zwar schon, wer jetzt wen getötet hat und wieso, aber die mordende Person taucht zum Beispiel erst im zweiten Buch auf, was auf mich irgendwie sehr konstruiert wirkte. Die Polizeiarbeit wird nicht mal annähernd abgeschlossen. Ausserdem (Achtung, kleiner Spoiler) habe ich immernoch nicht ganz geschnallt, wer jetzt dafür verantwortlich war, dass Johann für einige Zeit verschwindet. Wiederum, das Buch ist extrem spannend und gut zu lesen. Als Abschluss einer Trilogie finde ich es aber nicht so gelungen. Da war ich von der "Millenium-Trilogie" mehr überzeugt. Ich bestehe keineswegs auf Happy Ends, aber hier hatte ich irgendwie das Gefühl, als hätte man schnell zum Ende kommen müssen.

Fazit: Ich bin ein kleines bisschen zwiegespalten. Der Auftakt ist grandios, danach flacht die Geschichte aber leider ab. Manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass die Autoren da ein paar seltsame Fantasien ausleben wollten (die Kommissarin, die plötzlich lesbisch wird). Ich habe für die drei Bücher bloss 12 Tage gebraucht, habe sie also schnell lesen können, sie waren sehr spannend, aber zum Schluss konnte mich die Story dann leider doch nicht so überzeugen. "Krähenmädchen" ist eindeutig der Stärkste Teil der Trilogie. Ich glaube, das etwas offene Ende weist darauf hin, dass es weitere Victoria Bergmann-Bücher geben wird.

Ich empfehle die Bücher schon gerne, aber nicht mit voller Überzeugung.


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