Mittwoch, 18. November 2015

... Lesen/Reading: "Märzgefallene" von Volker Kutscher


English text: see below

Gerade habe ich ein Buch fertig gelesen, das mich in einem weiteren Sinne an die heutige Situation in Europa erinnert, dazu später mehr:


"Märzgefallene"
Autor: Volker Kutscher


Das sagt der Klappentext:
Rosenmontag 1933: Gereon Rath feiert Karneval in Köln, und der Morgen danach beginnt für ihn mit einem heftigen Kater, der falschen Frau im Bett und einem Anruf aus Berlin: Der Reichstag steht in Flammen! Sofortige Urlaubssperre!
Seinen neuen Fall aber erbt Gereon Rath von seinem ungeliebten Vorgesetzten Wilhelm Böhm, der sich unter dem neuen Nazi-Polizeipräsidenten ins politische Abseits manövriert hat: Ein Obdachloser ist erstochen am Nollendorfplatz gefunden worden.
Dessen Vorgeschichte führt weit zurück in den Krieg, in den März 1917, als deutsche Soldaten während der »Operation Alberich« in Nordfrankreich verbrannte Erde hinterließen. Ungesühnte Morde, unterschlagene Goldbarren einer französischen Bank und ein in eine perfide Sprengfalle geratener Hauptmann münden sechzehn Jahre später in eine Mordserie. Der Schlüssel zu all dem scheint der kurz vor der Veröffentlichung stehende Kriegsroman des Leutnants a.D. Achim Graf von Roddeck zu sein.
Rath ermittelt, doch immer wieder funken ihm andere Dinge dazwischen, und da sind die Vorbereitungen für seine Hochzeit mit Charlie Ritter noch das geringste Problem. Er wird in die Kommunistenhatz der Politischen Polizei eingebunden, muss sich mit SA-Hilfspolizisten und dem neuen Polizeipräsidenten herumschlagen und einen Geschäftsfreund des Gangsterbosses Johann Marlow aus den Klauen der SA befreien.
Volker Kutscher ist wieder ganz auf der Höhe: atemlose Spannung, ein komplexer Fall, zwischenmenschliche Komplikationen und historische Genauigkeit und Anschaulichkeit.

Meine Meinung:
Letztes Jahr gehörte "Der nasse Fisch", der erste Teil der Krimireihe um Kommissar Gereon Rath, zu meinen Buch-Highlights. Seitdem habe ich jeden Band verschlungen, und das war auch bei Band 5 "Märzgefallene" nicht anders. Die Bücher sind sehr gut recherchiert. Kommissar Rath ist nicht unbedingt ein sehr sympathischer Kerl, dafür leistet er sich zu viele "Arschloch-Aktionen", aber irgendwie schafft der Autor Volker Kutscher es, dass man ihn trotzdem irgendwie mag. Der Roman spielt vor dem Hintergrund der Machtergreifung der Nazis nach den Wahlen 1933. So richtig mag ja noch niemand glauben, dass sie sich an der Macht halten können, dennoch entsteht ein seltsames Klima der Angst vor der SA. Es gibt solche, die die Zeichen richtig zu deuten vermögen, und es gibt solche, die alles kleinreden. Einer der Höhepunkt des Romans ist die Beschreibung der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz. Und irgendwie fühle ich mich ein bisschen an die heutige Situation mit den Flüchtlingen erinnert. Damals haben die Nazis die Urängste der Menschen vor dem Fremden, also den Juden, geschürt, heute wird den Leuten die Angst vor den Flüchtlingen eingeträufelt. Ich finde, man muss immer wieder betonen, dass Flüchtlinge einfach ganz arme Menschen sind, die von Krieg und Terror zur Flucht gezwungen werden. Wieviel braucht es, damit ein Mensch seine Heimat verlässt! Das tut man nur in grösster Not. Und solche Menschen in einen Topf zu werfen mit den Terroristen, vor denen sie fliehen, ist wirklich Hohn. Natürlich besteht die Gefahr, dass die Flüchtlingsströme von Terroristen ausgenutzt werden. Aber von den Pariser Attentätern waren sechs von acht Franzosen bzw. Belgier! Die Schuld nun den Flüchtlingen in die Schuhe schieben zu wollen, zeigt von allergrösster Arroganz. Bei Charlie Hebdo gab es die Flüchtlingsströme noch gar nicht, und trotzdem gab es einen Anschlag. Die Rechtsparteien schüren einfach dermassen die Xenophobie, da könnte ich kotzen. Und fühle mich an die Anfänge der NS-Zeit erinnert. Von Pegida will ich gar nicht erst anfangen. Traurige Welt ist das.

*****

I just finished reading a book that reminded me slightly of the current situation in Europe. More on that later:


"Märzgefallene"
Author: Volker Kutscher


The plot:
Rose monday 1933: Gereon Rath celebrates carnival in Cologne, and the morning after begins with a heavy hangover, the wrong woman in his bed and a phone call from Berlin: the Reichstag is on fire! All leave has been cancelled!
Gereon Rath receives his new case from his unbeloved boss Wilhelm Böhm who fell into disgrace with the new Nazi president of the police. A homeless person has been found stabbed to death at the Nollendorfplatz. [...]

My opinion:
Last year, the first part of this detective story series about commissar Gereon Rath, "Der nasse Fisch", was one of my book highlights. Since then I devoured every part of it, and part 5, "Märzgefallene", was no exception. The books are very well researched. Commissar Rath is not a very sympathetic guy, he is too often an asshole, but the author, Volker Kutscher, manages so well that you end up liking this guy anyway. The book is set during the time of the takeover of the power by the Nazis after the elections of 1933. Some believe that they won't to hold on to power very long, nevertheless there is a climate of fear of the SA. Some interpret the signs correctly, but some downplay the situation. One of the climaxes in the book is the description of the burning of books on May 10th, 1933 at the place in front of the Opera in Berlin. And all of this reminds me a little bit of the current situation with the refugees. Back then, the Nazis fueled the fears of the people of the alien, in this case the jews, today people are told the fear the refugees. In my opinion we should never stop emphasising that refugees are simply very poor people who were forced to leave their homeland because of terror and war. It takes a lot to leave your native country! You only do this if you're in great danger. That these people are put together into one category with the terrorists that they try to escape is sheer mockery. Of course there is the possibility that terrorists use the flow of refugees. But: of the eight assassins from Paris six were frenchmen or belgians! It's a sign of biggest arrogance to blame the refugees for that. When the attacks on Charlie Hebdo happened there were no signs of refugees, and there were attacks anyway. All these right wing parties promote this xenophobia, it really makes me wanting to throw up. And it reminds me of the beginnings of the Nazi regime. Not to mention Pegida. It's a sad world.


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